Erkennungsfoto von Willi Frohwein bei der Ankunft in Auschwitz 1943
Erkennungsfoto von Willi Frohwein bei der Ankunft in Auschwitz 1943 © Auschwitz-Museum

Das Brot war unser Heiligtum

Von Anfang an in einer Strafkompanie
Vernichtung durch Arbeit

Was es mir bedeutet, einem anderen zu helfen

Muselmann
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Quellen:
Zeitzeugengespräch im Winckelmann-Gymnasium Stendal © Stendaler Fernsehen / Lutz Thiede 2007
Zeitzeugengespräch im Haus der Wannseekonferenz © GHWK / AJZ 2007
Zeitzeugengespräch Deutsch-Polnische Jugendbegegnung © Pilarski 2007
Foto @ Archiv Auschwitz

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Das Brot war unser Heiligtum

Ich bin von Anfang an in ein Strafkommando gekommen. Ich war noch gar nicht richtig im Lager, da war ich schon im Strafkommando. Habe also im Strafkommando gearbeitet, und das hieß bei mir zwölf Stunden am Tag im Dauerlauf Zement schleppen. Der Sack Zement wog 50 Kilo und ich hab 40 Kilo gewogen. Da könnt Ihr Euch ja vorstellen – und dann nichts zu essen. So kleine Stücke Brot, 200 Gramm oder so, wa? Und dann dazu ein Liter Suppe, die nicht definierbar ist, die haben zwar gesagt, es ist Trockengemüse. Aber das da dran Gemüse war, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich das Gefühl hatte, ich fresse den Wald auf, trockene Blätter, die waren un- gar nicht zu verdauen, da hat sich was abgespielt. Sie waren gar nicht zu verdauen, aber wenn du Hunger hast, isst du eben.
(Zeitzeugengespräch im Winckelmann-Gymnasium Stendal © Stendaler Fernsehen/Lutz Thiede 2007)

So und dann die Apelle und recht wenig Schlaf. Ziel war ja jetzt hier, durch Arbeit die Leute umzubringen. Die Arbeit hat sie nicht umgebracht, sondern dass sie nichts zu essen gekriegt haben. Dass man sie getrieben hat zur Leistung, zu der also selbst bei normaler Ernährung keiner in der Lage ist.
(Zeitzeugengespäch mit einer Gruppe des Alternativen Jugendzentrum e.V. Dessau im Haus der Wannseekonferenz, © GHKW 2007)

 

Was es mir bedeutet, einem Anderen zu helfen

Also wir waren ja alle ein Alter, die sahen, manche sahen aus wie ihre eigenen Großväter, die haben nicht mehr die Kraft gehabt, das Gesicht zu verziehen. Da habe ich mir einen ausgesucht, das Bild werd ich nie los, einem von diesen Muselmännern, dem habe ich meine Lagerration gegeben, und da aus den Augen kamen Blitze. Da war die Freude. Ja kein, der hat das Gesicht nicht verzogen. Aber wie er mich angeguckt hat und die Augen strahlten. War ich so glücklich und hab mich so gefreut. Und da hab ich dann immer wenn ich was hatte, immer diesen Muselmännern was gegeben. Ich wusste, ich kann keinen mit dem Stück Brot retten. Aber ich wusste, ich werde der Letzte sein, der ihm eine Freude machen kann.
(Zeitzeugengespräch Deutsch-Polnische Jugendbegegnung im Haus der Wannseekonferenz, © Pilarski 2007)