Willi Frohwein (zweiter von links) mit seiner Familie unter dem Weihnachtsbaum 1933
Willi Frohwein (2. von links) mit seiner Familie, Weihnachten 1933

Ob ich noch jemand von meiner Familie sehe

Als ins Lager durchsickerte „alle werden umgebracht”

Ich habe so viel Glück gehabt

ich kann es einfach nicht fassen
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Quellen:
Interview Archiv der Erinnerung, © MMZ/Fortunoff 1996
Zeitzeugengespräch mit Aktion Sühnezeichen © GHWK 2002
Foto privat

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Willi F. Holocaust Testimony (HVT-3389). Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam and Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies, Yale University Library
September 1995 und März 1996

Ob ich noch jemand von meiner Familie sehe
Als dann das durchsickerte, dass alle Juden und jüdisch versippten ausgerottet werden, hab ich… ja das hat sich ja dann umgewandelt bei mir in Warten, ob ich eventuell noch einen von meiner Familie sehe, das war dann also schon, das schlug dann um, ja, als diese, 42er Geschichte [gemeint ist die Wannseekonferenz] bis ins Lager durchsickerte und dort erzählt wurde „alle werden umgebracht“. Ja aber diese Größenordnung von elf Millionen – sie haben ja nun über fünfzig Prozent geschafft – ja das habe ich mir nicht träumen lassen.
(Interview im Archiv der Erinnerung, © MMZ/Fortunoff 1996)

Ich habe so viel Glück gehabt
Und dann nachher nach 1945, mein Bruder ist gefallen, habe ich es dann erfahren, warum ich noch lebe. Ich meine, ich hätte noch dreimal sterben können, Grund genug hätte ich gehabt, also die Todesmärsche, dieser Hunger und Durst – aber ich habe es geschafft. Ich sage immer so viel: Kinder, wenn ich halb so viel Verstand hätte, wie ich Glück gehabt habe, dann wäre ich Einstein. Ja? Also ist wirklich so, dass ich so viel Glück, ich kann es nicht fassen. Ich kann es einfach nicht fassen, wie oft ich dem Tod schon von der Schippe gesprungen bin.
(Zeitzeugengespräch mit Aktion Sühnezeichen © GHWK 2002)