06.1943 – Willi Frohwein und der Wiener Komponist

Interlektuelle wurden besonders schlecht behandelt
ich dachte, ich hätte ihn überzeugt
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Quellen:
Zeitzeugengespräch mit einer 6. Klasse, © GHWK undatiert
Film Zeitreise nach Osten, © Peter-Joseph-Lenné-Schule Potsdam 2007

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Willi Frohwein und der Wiener Komponist

Na ja, und ich habe mich dann im Lager, also in der Quarantäne mit einem angefreundet, der war Komponist aus Wien. Und das waren die Intellektuellen, also alles Akademiker, die waren besonders, die wurden besonders schikaniert. Von 150 Zugängen war er der einzige dieser Intellektuellen, der seinen Urin aus der Flasche trinken musste. Also ihr könnt euch vorstellen, so ein sensibler Mensch und dann dieses. Also ich hatte zu tun, ihm Mut zu machen, dass er überlebt.
(Zeitzeugengespräch mit einer 6. Klasse, © GHWK undatiert)

Ich habe also dann meine Aufgabe gesehen, dem musst du helfen, damit er durchkommt. Er hatte eine Frau und ein Kind in Wien noch und da habe ich auf den eingeredet. Nun sagt man ja immer, man hilft selbstlos. Das ist Quatsch. Indem ich dem nämlich zugeredet habe, hab ich mir selber Mut gemacht.

Als ich dann der Meinung war, ich habe ihn überzeugt, dass er kämpfen muss um sein Leben. Er machte so einen, ich möchte sagen, irgendwie zufriedenen Eindruck, weil er jetzt begriffen ha, er ist Häftling und muss sich nicht selber aufgeben. Ja und in der Nacht ist er in den Zaun gegangen. Am nächsten Morgen kam dann ein SS-Mann durch die Baracke und zeigte uns eine Brille. Der hatte so ein honiggelbes Brillengestell gehabt. Und als ich die Brille gesehen habe, habe ich gewußt was los ist. Und da war jetzt mein Ansprechpartner weg. Ich hatte keine Freunde mehr.
(WF in: Zeitreise nach Osten, © Peter-Joseph-Lenné-Schule Potsdam 2007)